Wegekreuze

Wegekreuze – Zeugen alten Denkens und aktuelle Erinnerungskultur

Sie stehen für Dankbarkeit, Unglück oder sogar Verbrechen: Flur- und Wegekreuze, Bildstöcke und Heiligenhäuschen. Sie stehen häufig an Leichenwegen zwischen Bauerschaft und Kirchhof, an Hofeinfahrten, Unglücksorten oder an Prozessionsstrecken.

Auch in Appelhülsen – wie in vielen katholisch geprägten Regionen – finden sich die aus Holz oder Sandstein modellierten oder aufgemauerten alten Kulturdenkmale.

Die Gründe zur Errichtung waren oft mit persönlichen Ereignissen verknüpft und reichten von Dankbarkeit und Bitte über Erinnerung an Verstorbene bis zum reinen Prestige. Denn wer etwas auf sich hielt (meist reiche Bauern), stellte ein Kreuz sichtbar an die Hofeinfahrt.

Ein Beispiel ist das Kreuz am Prozessionsweg, das ursprünglich zum Wedemhof, später Finkenbrink (heute evangelisches Friedenshaus) gehört hatte. Auf einer Postkarte aus dem Jahre 1912 sieht man es am rechten Bildrand.

Ein weiteres Beispiel für Kleindenkmale der Volksfrömmigkeit ist die Mondsichelmadonna aus dem Jahre 1756.

Sie gehörte zum Hof Kusenhorst, wo sie aber niemand bemerkt hätte. Deshalb wurde ein öffentlichkeitswirksamerer Platz am großen Prozessionsweg gesucht. Eigens zu diesem Zweck wurde eine Fläche von 5 x 5 m erworben, für die jährlich Jagdpacht in Höhe von 0,36 D-Mark entrichtet wurden. Nach einer Straßenverlegung vereinsamte die Madonna. Heute steht sie im Erlenweg.

Grundsätzlich fällt auf, dass es in den seltensten Fällen Darstellungen sind, die die Passanten fröhlich oder mitmenschlich inspirieren sollen, sondern vielfach an das Leiden erinnern und zu einem Gebet für das eigene Seelenheil motivieren wollen. Ein Denkmodell aus heutiger Sicht: die Wirkung wäre eine völlig andere, wenn die wiederkehrende Botschaft wäre: Gott nimmt Dich an.

Eine andere Art der Wegekreuze sind die Mord- und Sühnekreuze, auf denen Symbole an eine schreckliche Tat erinnern. Ein solches steht im Tilbecker Wald, wo eine Marktfrau für einen Beutel voller Nägel umgebracht worden ist. Aus dem Jahre 1463 ist zu einem anderen Kreuz ein Sühnevertrag erhalten, nach welchem der Täter für den getöteten Sohn einer Handwerkerfamilie folgende Sühne zu entrichten hatte: ein Steinkreuz, 45 Gulden, eine heilige Messe lesen lassen mit 2 Priestern, 10 Pfund Wachs für Kerzen, je 1 Hose für die Schiedsleute und 2 Eimer Wein für die Kirche.

In der aktuellen Erinnerungskultur haben oftmals schlichte Holzkreuze ihren Platz gefunden.

An Unfallorten werden sie, versehen mit dem Vornamen und Sterbedatum des Verstorbenen, an den Straßenrand gestellt, wo sie an das dort stattgefundene Unglück erinnern.

Solche stehen an mehreren Stellen rund um Appelhülsen, beispielsweise am Bahnübergang bei Remmelmann.